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Frauen in der Architektur- Rückblick

In der gemütlichen Wohnatmosphäre der Ausstellung  Druot, Lacaton & Vassal – Tour Bois le Prêtre im Haus der Architektur und bei einer Tasse Tee fand am 21. Oktober die Diskussion statt, die sich, ausgehend von der Frage, was Architekturstudentinnen nach dem Studium machen, über den Weg zum Beruf Architektin mit zum Teil sehr persönlichen Beispielen aus der eigenen Praxis spannte.

Neugier, Mut und einen gewissen Hang zur Selbstausbeutung sind wohl die Eigenschaften, mit denen man den Weg zur (selbständigen) Architektin bestreitet. Rollenbilder und Stereotypen ablegen, an die eigenen Fähigkeiten glauben und durchstarten war die Message unserer Gäste. Sich nicht isolieren, sondern Probleme gemeinsam anpacken und sich und das Büro öffnen, fordert Nicole Lam, das Thema sollte nicht nur von Frauen behandelt werden, schließlich gibt es eine gesellschaftliche Relevanz. Dass der Beruf nicht familienfreundlich ist, ist allen bewusst, jedoch kann sich jeder den Arbeitsalltag selbst gestalten, Arbeit abgeben und nicht an die eigene Unersetzbarkeit glauben um die Überstunden in Grenzen zu halten, meint Marion Wicher. So bekommt selbständiges Arbeiten auch eine  andere Bedeutung, nicht nur selbst und ständig, wie Eva Gyüre es beschrieben hat. Auf die Ausgangsfrage wurde keine Antwort gefunden, es scheint als würde das Studium doch ein anderes Bild vom Beruf vermitteln, als es tatsächlich ist. Das hängt jedoch weniger mit dem Geschlecht zusammen als mit der Frage, wie wir in Zukunft arbeiten wollen, wie wir die eigene Selbstständigkeit definieren.

Durch Statements aus dem Publikum möchten wir euch Einblicke in die spannende Diskussion geben.

 

„… mit den aktuellen Verhältnissen möchte sich keiner am Dienstagabend zufrieden geben. Die Stimmung ist optimistisch, zumindest in den jungen Generationen und in Graz. Ob da noch zwischen Architektur und neuer Arbeitswelt ein oder zwei Kinder passen? Immerhin ist das eine Fähigkeit, die bis jetzt nicht von Männern übernommen wurde. Verzichten wir demnächst als Frauen auf dieses Alleinstellungsmerkmal? Eventuell fällt den Frauen etwas Besseres ein: Kooperation und gerechtere Auftragsverteilung waren beim Tee am Dienstag Antworten auf die heute noch vorherrschenden Defizite.“
Claudia Gerhäusser für Gat.st

„Mir persönlich hat die Veranstaltung Mut gemacht, mir am Handeln der eingeladenen Architektinnen ein Beispiel zu nehmen und später selbst ein Büro zu gründen. Allerdings muss ich anmerken, dass ich in Graz nur zu Gast bin und an meinem Lebensmittelpunkt in Ostdeutschland dieser vermeintlich große Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Architektur nicht vorhanden ist. Es kommt schließlich auf die Fähigkeiten an, nicht das Geschlecht. Natürlich kann es wie in anderen Branchen für Frauen etwas schwieriger sein Beruf und Familie zu vereinen.“
Dorothea Hamann, Architektstudentin

„Die gesellschaftliche Wahrnehmung der Architektin als kompetente Ansprechpartnerin in allen Fragen des Bauens, die Schwierigkeiten der allein erziehenden Mutter, die im unterbezahlten Job im Architekturbüro durch den Alltag kommen muss, oder auch die Frage wie man „als Frau“ ein Architekturbüro gründet, sind Diskurse, die bei Männern wahrscheinlich nicht an einem Abend besprochen werden würden. Vielleicht neigen Frauen aus der Position der langen Nicht-Gleichberechtigtigung eher dazu, „Alles“ als ein grundsätzliches Frauenproblem zu sehen? Ich hoffe es gelingt Euch, den Diskurs weiter auszubauen und vielleicht könnte der von mir schon angeregte Input am Diskussionsbeginn helfen, den Diskussionsverlauf etwas zu lenken.“
DI Peter Reitmayr, reitmayr architekten

„Frauen in der Architektur- eine gelungene Veranstaltung mit interessanten Fragestellungen und reger Diskussion. Besonders spannend fand ich die unterschiedlichen Erfahrungen der Architektinnen als Selbstständige und wie sie ihren Weg dorthin erlebt haben.“
Tanja Kühberger, earlybird- mehr Zeit für Architektur

 

Wir möchten uns nochmals ganz herzlich bei unseren Gästen, Nicole Lam (LAM Architekturstudio), Marion Wicher (Yes Architecture), Lisa Enzenhofer (Lendlabor), Eva Gyüre (Vd-Architekten, Vorsitzende des Ausschusses der Ziviltechnikerinnen), bedanken!

 

Auf Gat.st gibt es einen sehr treffenden Bericht von Claudia Gerhäusser zur Veranstaltung, aus dem auch das oben angeführte Zitat stammt. (-http://www.gat.st/news/architecture-frauen-der-architektur)

Herzlichen Dank an das HDA für die Zusammenarbeit und die Unterstützung!
Die Ausstellung Druot, Lacaton & Vassal – Tour Bois le Prêtre kann noch bis 23.11. besichtigt werden.

Foto: HDA Graz