Geschichten

TASH Living – Natascha Afana

Natascha Afana hat im April 2015 ihren eigenen Concept Store in Graz eröffnet. Tash Living. Eine aufregende Mischung aus Designerladen mit Themenbereichen wie ‚Grandpa’s Favourites‘ und ‚Alice in Wonderland‘, Präsentationsfläche für junge KünstlerInnen und DesignerInnen, und Café. Wir treffen sie in ihrem bunten Reich um mit ihr über den Mut zur Selbständigkeit zu reden und wie sie ihre vielen unterschiedlichen Stationen in ihrem Lebenslauf dabei beeinflusst haben.

Natascha, wenn man deinen Lebenslauf betrachtet, könnte man meinen, es handle sich um mehrere unterschiedliche Personen: Du bist Chemielabortechnikerin, hast nach deiner Ausbildung in einem Pharmaunternehmen gearbeitet, Architektur studiert und einen eigenen Laden eröffnet. Was war deine Motivation immer wieder was Neues auszuprobieren?
Bei mir war es nicht möglich gleich nach der Schule zu studieren. So habe ich die Lehre begonnen und auch schnell festgestellt, dass der Beruf zwar interessant ist, aber nicht das mit dem ich alt werden möchte. Ich habe es aber durchgezogen, weil ich nicht der Typ bin, der etwas anfängt und mitten drin aufhört.
Damals war es noch schwieriger etwas ganz Anderes zu machen, wenn du schon mal eine Schiene eingeschlagen hast. Du bist viel eingeschränkter. Für mich war aber schon vor der Lehre klar, dass ich mein eigenes Ding machen möchte, selbstständig arbeiten, mich mit Architektur und Interior Design zu beschäftigen. Nach meiner Ausbildung habe ich die Firma gewechselt und konnte meine Matura nachholen. 2008 habe ich dann mit dem Architekturstudium an der TU Graz begonnen. Ich bin offen für alles im Leben und habe es auch nie ausgeschlossen, Projekte im klassischen Architekturbereich zu machen.

TASH living-Einblick in den Shop

Die Idee für den Shop hast du schon länger?
Ja, genau. 2005 bei einer Istanbul-Reise kam mir die Idee. Es gefiel mir, dass die meisten Händler dort, neben ihren Waren auch Tee und Kaffee anbieten. Deshalb wollte ich meinen Shop mit einem Café verbinden.

Du möchtest auch noch ein Studio für Raumgestaltung mit dem Shop vereinen.
Ja, auf jeden Fall möchte ich zu meinem Concept Store auch Interior Konzepte anbieten und eigene Möbel entwerfen. Und dafür konnte das Studium ja nur ein Vorteil sein (lacht). Bis das aber richtig läuft, ist es noch ein langer Weg. Jetzt bin ich noch am Beginn und habe erste Kontakte zu regionalen Handwerkern geknüpft, mit deren Kooperation ich dann die Projekte umsetzen werde.

Welche Sachen aus deiner Vergangenheit, abgesehen von den fachspezifischen, hast du bei deinen vorigen Schritten gelernt, die dich jetzt in deinem Tun beeinflussen?

Ich denke, dass Projektmanagement in den Grundzügen immer gleich abläuft, egal in welcher Firma, auch in einem Architekturbüro oder wenn man sich zum Beispiel die Selbständigkeit als Projekt vornimmt. Wenn man dieses Wissen für sich nutzt, bringt es viel und man kann aus allem in der Vergangenheit lernen.

In den Jahren im Pharmaunternehmen hatte ich zum Beispiel eigene Projekte, für die ich alleine verantwortlich war, musste mir von anderen die nötigen Informationen holen und hatte meine Deadlines, wann alles fertig sein musste.

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Verkaufsstücke im TASH Living Store

Was sind solche Punkte, die du aus dem Architekturstudium mitgenommen hast?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich gehe meist intuitiv vor und halte mich an mein Bauchgefühl, bin aber gleichzeitig sehr strukturiert und sachlich beim Arbeiten.
Ich glaube nicht, dass ich vor dem Studium anders an den Shop herangegangen wäre.Das Einrichten habe ich immer schon gern gemacht. Da war es auch ein Vorteil, dass ich so oft gesiedelt bin und so konnte ich viel ausprobieren, schließlich passen die Möbel oft nicht in die neue Wohnung. Ich habe von Wohnung zu Wohnung immer anders gewohnt. Das ist Teil meines Charakters.Ich brauche immer Veränderung, ständigen Fortschritt, sonst wird mir fad. Wenn ich merke, dass ein Projekt fertig wird, werde ich unruhig und denke über neue Projekte nach. Das ist vielleicht ein Grund, warum ich so viel Neues ausprobiert habe.

Viele haben mich gefragt, ob ich irre bin, weil ich meinen gut bezahlten Job aufgab und mit 26 etwas Konträres zu studieren anfing.

Einige hätten mich noch lieber in einem Chemie-Studium gesehen und meinten, das sei nachvollziehbarer. Doch ich wollte das so, und was andere gut für den Lebenslauf finden, muss nicht immer gut für einen selbst sein.
Aber zurück zur Frage, natürlich gibt es sehr viel, das ich vom Studium für mich mitgenommen habe. Nicht nur von den Lehrinhalten sondern auch aus dem Organisatorischen und Zwischenmenschlichen des Uni-Alltags.

Du hast lange Zeit in einem Betrieb als Angestellte gearbeitet und bist nun selbstständig. Was waren Gründe für den Schritt in die Selbstständigkeit?

Ich wollte mich nicht mehr messen müssen mit Kollegen. Wollte für mich selbst verantwortlich sein. Ich habe den Eindruck, dass Firmen heutzutage nicht mehr diejenigen belohnen, die ihre Arbeit gut machen, sondern dass nur zählt, wer die meisten Überstunden absitzt. Ich möchte mein Leben nicht für irgendeine Firma leben, in der ich möglichst viel Zeit verbringen muss um ihr gegenüber meine Loyalität zu beweisen und wo ich mich täglich mit Dingen beschäftige, die mich nicht wirklich erfüllen. Das war definitiv ein Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit und zuvor auch bereits der Grund für das Architekturstudium.

Ich habe hier auch nie das Gefühl, dass ich arbeiten gehe. Wenn ich von zuhause hierherkomme, dann wechsle ich einfach nur zwei Orte an denen ich gerne bin.

Und auch wenn manche Leute einem Angst machen wollen indem sie von dem ganzen Risiko reden, das man auf sich nimmt und, dass man als Selbstständiger keine Freizeit hat, wähle ich trotzdem lieber diesen Weg und mache was mir Spaß macht. Wenn ich Erfolg habe, weiß ich, dass ich mir das selbst zu verdanken habe.

TASH Living verbindet Design Store und Café

Wie hast du dich auf die Selbständigkeit vorbereitet? Wie hast du dir unternehmerisches Wissen angeeignet?
Nach meiner Sponsion ging ich zum AMS um mich dort zwischenzeitlich zu melden. Da war ich mir noch gar nicht sicher, ob ich das mit dem Shop sofort nach dem Studium machen will. Der Betreuer  fragte mich, was ich nun machen möchte, Hochbau oder Tiefbau. Und ich dachte mir nur ‚Oh mein Gott, was für eine Frage‘. Also antwortete ich, ohne viel nachzudenken, dass ich mich selbstständig machen möchte. Er empfahl mir das Unternehmensgründerprogramm (UGP) und meinte, ich bräuchte einen Businessplan um daran teilnehmen zu können. Bis zum Informationsgespräch hatte ich vier Wochen und begann somit sofort mit der Recherche und dem Businessplan – der dann auf 52 Seiten ausartete. Das war auch für mich selbst wichtig, um zu definieren, was ich genau machen will, auch wenn sonst sicher keiner den ganzen Businessplan gelesen hat.
Im Zuge der Recherche habe ich mir dann die Passantenfrequenzzahlen in Graz angesehen, Marktanalysen, Statistiken, und so weiter. Mein Freund und ich haben uns auch ähnliche Läden angesehen und mit den Leuten über ihre Erfahrungen gesprochen. Einmal hat mein Freund mit einem Schmunzeln gesagt, dass wir zum Spionieren hier sind. Kurz hat die Ladenbesitzerin verdutzt geschaut, war dann aber eigentlich sehr offen und hat uns viele Infos gegeben. Wir haben heute noch guten Kontakt zu ihr. Aber solche Sachen sollte man nicht in der Nähe des geplanten Standortes machen, da ist das Konkurrenzdenken meist zu groß. Für mich war es wichtig herauszufinden, wie lange es dauert, bis so ein Laden anläuft und welche Schwierigkeiten auf einen zukommen können.Vom Businessplan bis zur Eröffnung ist eigentlich alles sehr schnell gegangen.

Letzten Endes erfordert es aber Eigeninitiative und viel Durchhaltevermögen, weil man sich ja doch selbst um alles kümmern muss und nicht von anderen durch diese Phase durchgeführt wird.

Das Unternehmensgründerprogramm  dauert ein halbes Jahr, diese Zeit kann man nützen um alles zu organisieren.Man sollte auch immer mehrmals nachfragen, weil man vielerorts falsche oder unterschiedliche Informationen bekommt. Besonders was Förderungen und die Finanzierung anbelangt, ist es ein unendlicher Dschungel, durch den man durch muss.

Wir möchten uns herzlich für das Interview bedanken und wünschen viel Erfolg! Mehr über Nataschas Concept Store ‚Tash Living‘ erfährt ihr auf ihrer  Facebookseite